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Geschichte & Gegenwart

Artur Leibbrand

"Wer im hiesigen Raum über Tennis spricht, kommt an ihnen nicht vorbei"- so ist es immer wieder zu hören. Der Name Leibbrand fällt immer dann, wenn es um den Triumph geht, den die Damen des Tennis-Vereins Reutlingen (TVR) im Jahre 1982 feiern konnten, als die Mannschaft um Petra Delhees den Titel Deutscher Mannschaftsmeister nach Reutlingen holte. Gabriele Leibbrand gehörte zu dieser Meistermannschaft, der es gelang, für den TVR den bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte zu erzielen. Artur Leibbrand führte als Trainer und Coach die Mannschaft zum deutschen Meistertitel. So wie hier bei diesem sportlich außerordentlichen Erfolg bestimmte Tennis und vor allem der Leistungssport das gemeinsame Leben, auch als Familie mit den sportlich ebenfalls aktiven und erfolgreichen Töchtern.

Der Titel zählt zu den großen gemeinsamen Erfolgen der Leibbrands`. Jedoch gab es im sportlichen Leben von Gabriele Leibbrand auch andere Höhepunkte wie die deutsche Meisterschaft mit der Poensgen-Mannschaft Württemberg, die deutsche Mannschafts-Vize-Meisterschaft mit den Damen des TEC Waldau Stuttgart, der Vizetitel Damen und der erste Platz bei Hochschulmeisterschaften, sowie der Gewinn und Platzierungen bei offenen Turnieren. Artur Leibbrand errang als Spieler bei den Württembergischen Meisterschaften im Einzel, Doppel und Mixed fünfzig-fache Auszeichnungen auf den Plätzen eins bis drei und herausragende Erfolge gegen international bekannte Spieler. Sportliche Erfolge gab es für ihn schon von frühester Jugend an nicht nur im Tennis, sondern auch im Tischtennis und bei Leichtathletikwettbewerben.

TEC Waldau

Tennis spielte bei Gabriele Leibbrand schon immer eine dominante Rolle, wobei sie die Faszination des "weißen Sports" bis heute nicht losgelassen hat: Tennis steht bei ihr nicht nur privat, sondern auch in beruflicher Hinsicht im Mittelpunkt. Angefangen hat diese Leidenschaft bei Weiß-Blau Würzburg, ihrem Heimatverein, mit konstantem Erfolg: Regelmäßig war sie unter den ersten fünf der bayerischen Rangliste. Dass sie Bayern verließ und nach Baden- Württemberg zog, daran war ein Turnier in Schliersee schuld: Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Artur kennen, einen gebürtigen Stuttgarter, langjähriger Waldau-Spitzenspieler und Mitglied der Meden-Mannschaft Württemberg. Geheiratet wurde 1968, die Familie gegründet.

Bereits während den Glanzzeiten ihrer Tenniskarrieren als Aktive stellte das Ehepaar Leibbrand die Weichen für die Zukunft. Er wurde 1977 in Friedrichshafen WTB-Stützpunkttrainer, leistete Vereins- und Bezirksarbeit und führte einige Jugendliche (w, m) zu württembergischen Titelehren. Sie leistete Basisarbeit, baute Kinder und Jugendliche auf, die er dann übernahm. Parallel dazu absolvierten beide an der TU München die Ausbildung zum/zur staatlich geprüften Tennislehrer/in. Die Prüfung wurde mit Erfolg abgelegt. Damit hatten der Prokurist einer Maschinenfabrik und die Diplom-Psychologin die erforderliche Basis geschaffen, auf der es sich beruflich aufbauen ließ.

TV Reutlingen 1982

Dass der 1982 gefaßte Entschluß des Tennisgespanns Leibbrand, künftig voll auf den Sport zu setzen, eine richtige Entscheidung war, dokumentierte sich nicht nur beim TV Reutlingen (TVR), sondern auch später beim Tennis-Club Markwasen (TCM). Sportliche Erfolge wie das Erreichen der Endrunde um die württembergische Meisterschaft und der Aufstiegsrunde zur Regionalliga sowie kontinuierlich betriebene Jugendarbeit auf breiter Basis stehen in der TCM-Geschichte von 1984 bis 1989 hinter dem Namen Leibbrand. Nach dieser Zeit folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. Die mobile Tennisschule Leibbrand wurde gegründet mit einem "Komplettangebot für Vereine und Einzelspieler, für die Jüngsten genauso wie für die Senioren". Während Artur Leibbrand im Schwerpunkt Kinder und Aktive gleichermaßen trainierte und auf Turnieren betreute, widmete sich Gabriele Leibbrand dem Kindertennis "vom Beginner bis zum Wettkampfsport", sowie der "Sportpsychologie in der Praxis des Tennissports". Viele Reisen führten anfänglich an die Mittelmeerküste nach Frankreich. Seit den Neunzigern führen die Wege immer wieder in die Region der Emilia Romagna - nach Cervia/ Milano Marittima, ital. Adria. Dort, zwischen "Meer und Apennin" wird nach wie vor intensivst Tennis & Golf gespielt. Jedoch: Der "Urlaub bei Freunden", das Italienische, die Berührung mit der Kunst und der anhaltende langjährige Kontakt zu Malern und Poeten (u.a.Walter Faroni) beeinflusste das Leben der ganzen Familie Leibbrand nachdrücklich - italienisch eben!

Die Aktivitäten und Initiativen der familiengeführten Tennisschule werden seit 1989 von Esther und Sarah unterstützt, die beide sehr gute sportliche Erfolge vorzuweisen haben und zudem die Ausbildung zur staatlich geprüften Tennislehrerin (TU München) absolvierten, die DTB- C- und B-Lizenz erwarben und sich zur Cardio-Trainerin(DTB) qualifizierten. Für beide gilt: Ein zweites Standbein neben der jeweiligen universitären Ausbildung und des gewählten Berufs. Esther Leibbrand schloss den Studiengang SOMIT (Sportmanagement) an der Führungsakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) 2010 erfolgreich ab.

Für Gabriele und Artur Leibbrand sind es zweiundvierzig Jahre gemeinsamen Lebens geworden. Dreiunddreißig Jahre davon widmeten sie mit hohem Engagement dem Tennissport unter dem Motto: "Vom Kindertennis zum Spitzensport". Das erfolgreiche gemischte Doppel gibt es nun leider nicht mehr: Artur Leibbrand ist seiner unheilbaren Krankheit am 10. August 2010 erlegen. Sein bewegtes und bewegendes Leben als Mensch, Spitzenspieler und Coach ist zu Ende gegangen.

Bilder:

1. Artur Leibbrand beim Spiel in Milano Marittima
2. TEC Waldau 1972, WTB-Meister, Artur Leibbrand 4. v. r.
3. TV Reutlingen, Mannschaftsmeisterschaft Damen, 1982, Artur Leibbrand 3.R.r., Gabriele Leibbrand 1.R.Mitte